WISSEN · NETZ & LEISTUNG

Wie viel Anschlussleistung braucht Ladeinfrastruktur wirklich?

Wie viel Anschlussleistung Ladeinfrastruktur tatsächlich benötigt, lässt sich nicht allein aus Anzahl und Maximalleistung der Ladepunkte ableiten. Entscheidend sind der reale Betrieb, Ladefenster, Gleichzeitigkeiten und die Energiearchitektur des gesamten Standorts.

Anschlussleistung ist mehr als die Summe der Ladepunkte

Zehn Ladepunkte mit jeweils 22 kW bedeuten nicht automatisch, dass zusätzlich 220 kW Anschlussleistung bereitgestellt werden müssen. Die theoretische Maximalleistung beschreibt zunächst nur, was die Ladehardware unter idealen Bedingungen abrufen könnte.

Für die Planung ist entscheidend, welche Leistung im realen Betrieb gleichzeitig benötigt wird. Fahrzeuge kommen zu unterschiedlichen Zeiten an, haben unterschiedliche Energiebedarfe und stehen unterschiedlich lange am Standort. Gerade bei Flotten, Gewerbestandorten oder größeren Immobilien lassen sich daraus Ladeprofile ableiten, die deutlich aussagekräftiger sind als die reine Addition von Nennleistungen.

Gleichzeitig darf die Planung aber auch nicht zu knapp erfolgen. Eine zu niedrig angesetzte Leistung kann dazu führen, dass Fahrzeuge nicht rechtzeitig geladen werden oder spätere Erweiterungen nur mit zusätzlichem Aufwand möglich sind.

Welche Faktoren bestimmen die Anschlussleistung für Ladeinfrastruktur?

  • Anzahl und Art der Fahrzeuge: Pkw, Transporter oder Nutzfahrzeuge haben unterschiedliche Energie- und Leistungsbedarfe.
  • Stand- und Ladezeiten: Je länger ein Fahrzeug am Standort verfügbar ist, desto flexibler kann die benötigte Energie verteilt werden.
  • Gleichzeitigkeit: Nicht jeder Ladepunkt benötigt zur gleichen Zeit seine maximale Leistung.
  • Bestehende Gebäudelasten: Produktion, Gebäudetechnik, Wärmepumpen oder andere Verbraucher beanspruchen denselben Netzanschluss.
  • Photovoltaik und Batteriespeicher: Eigenerzeugung und Speicher können Energieflüsse verändern, müssen aber zeitlich zum Bedarf passen.
  • Erweiterbarkeit: Eine heutige Planung sollte berücksichtigen, wie sich Fahrzeuge, Ladepunkte und weitere Verbraucher künftig entwickeln können.

Nicht die Anzahl der Ladepunkte bestimmt die notwendige Anschlussleistung – sondern der reale Betrieb des Standorts.

Ladebedarf, Standzeiten, Gleichzeitigkeiten und weitere Verbraucher müssen gemeinsam betrachtet werden.

Die Anschlussleistung für Ladeinfrastruktur sollte deshalb aus einem realistischen Betriebs- und Lastprofil abgeleitet werden. Erst daraus lässt sich beurteilen, ob vorhandene Leistungsreserven ausreichen, eine Anpassung des Netzanschlusses notwendig wird oder intelligente Steuerung einen Teil der Aufgabe übernehmen kann.

Welche Rolle spielt Lastmanagement?

Lastmanagement erzeugt keine zusätzliche Energie und ersetzt auch keine grundsätzlich zu klein dimensionierte Infrastruktur. Es sorgt vielmehr dafür, dass die verfügbare Leistung intelligent auf die angeschlossenen Ladepunkte verteilt wird.

Wenn mehrere Fahrzeuge gleichzeitig laden möchten, kann die Ladeleistung abhängig von Bedarf, Priorität und verfügbarer Anschlussleistung gesteuert werden. Dadurch lassen sich Leistungsspitzen begrenzen und vorhandene Netzkapazitäten besser nutzen.

Besonders interessant wird das, wenn Ladeinfrastruktur gemeinsam mit Gebäudelasten, Photovoltaik, Batteriespeichern oder weiteren Verbrauchern betrachtet wird. Dann reicht eine einfache statische Leistungsverteilung häufig nicht mehr aus und die Steuerung wird Teil der gesamten Energiearchitektur.

Können Photovoltaik und Batteriespeicher den Netzanschluss entlasten?

Photovoltaik und Batteriespeicher können die Energieversorgung eines Standorts sinnvoll ergänzen. Entscheidend ist jedoch der zeitliche Zusammenhang zwischen Erzeugung, Verbrauch und Ladebedarf.

Eine Photovoltaikanlage produziert nicht automatisch dann Energie, wenn Fahrzeuge laden müssen. Ein Batteriespeicher kann zeitliche Verschiebungen ausgleichen und Lastspitzen reduzieren, besitzt aber ebenfalls Leistungs- und Kapazitätsgrenzen.

Deshalb sollten PV und Speicher nicht pauschal von der benötigten Anschlussleistung abgezogen werden. Erst eine Betrachtung der Energieflüsse zeigt, welchen realistischen Beitrag sie im konkreten Betrieb leisten können.

Wann reicht die vorhandene Anschlussleistung nicht aus?

Ob eine Verstärkung des Netzanschlusses notwendig wird, lässt sich erst nach der Betrachtung des gesamten Standorts belastbar beurteilen. Neben dem Ladebedarf zählen dazu bestehende Verbraucher, betriebliche Spitzen, mögliche Reserven sowie geplante Erweiterungen.

In manchen Projekten reicht die vorhandene Infrastruktur mit einer intelligenten Steuerung aus. In anderen Fällen ist eine höhere Anschlussleistung technisch oder wirtschaftlich sinnvoller. Entscheidend ist, diese Frage früh zu klären – bevor Ladehardware bestellt oder eine Ausführungsplanung begonnen wird.

Wie POSID die benötigte Leistung ermittelt

POSID beginnt deshalb nicht mit der Frage, welches Ladeprodukt eingesetzt werden soll. Ausgangspunkt sind Standort, Nutzung und zukünftiger Bedarf.

Wir betrachten vorhandene Anschlussleistung, Energieverbrauch, Fahrzeug- und Ladeprofile sowie weitere Erzeuger und Verbraucher. Daraus entwickeln wir unterschiedliche technische Varianten und bewerten, welche Kombination aus Netzanschluss, Ladeleistung, Steuerung, Photovoltaik und Speicher für die jeweilige Aufgabe sinnvoll ist.

Das Ergebnis ist eine belastbare Grundlage für die weitere Energie- und Netzplanung und das anschließende Engineering.

Anschlussleistung sollte geplant werden – nicht geschätzt

Die entscheidende Frage lautet nicht: „Wie viel Leistung haben unsere Ladepunkte?“ Sondern: „Wie viel Leistung benötigt unser Standort im realen Betrieb?“

Wer Ladebedarf, Gebäudelasten, Energieerzeugung, Speicher und zukünftige Erweiterungen früh gemeinsam betrachtet, schafft eine belastbare Grundlage für technische und wirtschaftliche Entscheidungen.

IHR PROJEKT

Wie viel Anschlussleistung braucht Ihr Standort wirklich?

Projekt besprechen →